Schnarchen – was tun?
Ursachen verstehen, Atemwege öffnen, ruhig schlafen – die wirksamen Massnahmen im Überblick.
Kurz erklärt
Schnarchen entsteht durch vibrierendes Gewebe im verengten Rachenraum. Erste Schritte: Seitenlage, Alkoholverzicht, Gewichtsreduktion, Nase frei halten. Bei dauerhaftem oder lautem Schnarchen ist die individuelle Unterkiefer-Protrusionsschiene (CHF 1'500–2'500) Goldstandard – sie öffnet die Atemwege und reduziert das Schnarchen bei 70–90 % der Betroffenen. Bei Atemaussetzern (Schlafapnoe) gehört zusätzlich eine Abklärung im Schlaflabor dazu.
von Dr. Philipp Meyer, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie · 10+ Jahre Erfahrung
Warum schnarcht man? Die häufigsten Ursachen
Von harmloser Erschlaffung bis zur behandlungsbedürftigen Schlafapnoe.
Erschlaffte Rachenmuskulatur
Häufigste Ursache. Im Schlaf kollabieren Zungengrund und Gaumensegel und vibrieren beim Atmen.
Rückenlage
Zunge fällt nach hinten und verengt die Atemwege – sogenanntes Lageschnarchen.
Übergewicht
Fettpolster im Halsbereich verengen die oberen Atemwege strukturell.
Alkohol & Schlafmittel
Verstärken die Muskelerschlaffung deutlich – oft Auslöser bei sonst stillen Schläfern.
Anatomische Engstellen
Vergrösserte Mandeln, Polypen, Nasenscheidewandverkrümmung, kleiner Unterkiefer (Retrognathie).
Schlafapnoe
Obstruktive Schlafapnoe (OSA): Atemaussetzer >10 Sekunden mehrfach pro Stunde – behandlungsbedürftig.
6 Sofort-Tipps gegen Schnarchen
Was Sie schon heute Abend ausprobieren können.
- 1
Seitenlage erzwingen
Tennisball ins Rückenteil des Schlafanzugs nähen oder Rückenlage-Schlafweste tragen.
- 2
Alkohol 3 Std. vor dem Schlaf meiden
Auch Schlafmittel und schweres Essen am Abend reduzieren.
- 3
Gewicht reduzieren
Schon 5–10 % weniger Körpergewicht verringern Schnarchen messbar.
- 4
Nase frei halten
Nasenspray bei Erkältung, ggf. Nasenpflaster oder HNO-Abklärung bei chronischer Verstopfung.
- 5
Mund- und Rachentraining
Tägliche Übungen (Didgeridoo-Studie 2006) stärken Gaumenmuskulatur in 4 Monaten messbar.
- 6
Unterkiefer-Protrusionsschiene
Goldstandard bei lagebedingtem Schnarchen und leichter bis mittlerer Schlafapnoe – siehe unten.
Wann sollten Sie zum Arzt?
Bei diesen Warnzeichen Schlafapnoe abklären lassen.
- Atemaussetzer vom Partner beobachtet (Verdacht Schlafapnoe)
- Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, Konzentrationsprobleme
- Morgendliche Kopfschmerzen, trockener Mund, Nachtschwitzen
- Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörungen
- Lautes, unregelmässiges Schnarchen über Jahre
Weiterführende Themen
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