Lexikon Kieferorthopädie
Fachbegriffe aus Zahnmedizin und Kieferorthopädie einfach erklärt – Ihr Nachschlagewerk rund um Zahnspangen, Behandlungen und Diagnostik.
A
Aktivator
Der Aktivator ist ein herausnehmbares funktionskieferorthopädisches Gerät (FKO-Gerät), das von Viggo Andresen entwickelt wurde. Er wird zur Behandlung von Klasse-II-Anomalien (Überbiss, Unterkieferrücklage) bei wachsenden Patienten eingesetzt.
Aligner
Aligner sind transparente, herausnehmbare Kunststoffschienen, die zur Korrektur von Zahnfehlstellungen eingesetzt werden. Sie bestehen aus medizinischem Kunststoff und werden individuell für jeden Patienten gefertigt.
Aufbissschiene
Eine Aufbissschiene (auch Knirscherschiene, Okklusionsschiene oder Nachtschiene) ist eine individuell angefertigte Kunststoffschiene, die auf die Zähne des Ober- oder Unterkiefers aufgesetzt wird.
B
Behandlungsdauer
Die Behandlungsdauer einer kieferorthopädischen Behandlung hängt von der Art und Schwere der Zahnfehlstellung, der gewählten Methode und dem Alter des Patienten ab.
Bionator (nach Balters)
Der Bionator nach Balters ist ein herausnehmbares funktionskieferorthopädisches Gerät, das von Wilhelm Balters in den 1950er Jahren entwickelt wurde. Er verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und berücksichtigt neben der Zahnstellung auch Zungenlage, Lippenschluss und Nasenatmung.
Bissanalyse
Die Bissanalyse (Okklusionsanalyse) ist eine diagnostische Untersuchung, bei der der Zusammenbiss der Zähne (Okklusion) systematisch untersucht und dokumentiert wird.
Brackets
Brackets sind kleine Befestigungselemente, die bei einer festen Zahnspange auf die Zahnoberfläche geklebt werden. Sie dienen als Halterung für den kieferorthopädischen Drahtbogen, der die Zähne in die gewünschte Position bewegt.
Bruxismus
Bruxismus bezeichnet das unbewusste Knirschen oder Aufeinanderpressen der Zähne, meist nachts im Schlaf. Es ist eine der häufigsten Parafunktionen und kann erhebliche Schäden an Zähnen, Kiefergelenk und Kaumuskulatur verursachen.
D
Drahtbogen
Der Drahtbogen (auch Bogendraht) ist der bogenförmige Metalldraht, der durch die Brackets der festen Zahnspange geführt wird. Er ist die eigentliche Kraftquelle der Behandlung und bewegt die Zähne in die gewünschte Position.
Durchsichtige Zahnspange
Als durchsichtige Zahnspange bezeichnet man transparente, herausnehmbare Zahnschienen (Aligner), die Zähne nahezu unsichtbar korrigieren. Der bekannteste Anbieter ist Invisalign.
DW Lingual Systems
DW Lingual Systems ist ein deutsches Unternehmen, das sich auf die Herstellung individueller lingualer Bracket-Systeme spezialisiert hat. DW steht für ‹Deutsche Wissenschaft› und steht für höchste Qualität ‹Made in Germany›.
E
Engstand
Engstand (Crowding) ist die häufigste Zahnfehlstellung und entsteht, wenn der Kiefer zu wenig Platz für alle Zähne bietet. Die Zähne stehen dann gedreht, verschoben oder überlappend.
Erstberatung
Die kieferorthopädische Erstberatung ist der erste Termin beim Kieferorthopäden, bei dem Ihre Zahnfehlstellung untersucht und die Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden.
Extraktion
In der Kieferorthopädie kann eine Zahnextraktion (Zahnentfernung) notwendig sein, wenn der Kiefer nicht genügend Platz für alle Zähne bietet. Meist werden Prämolaren (kleine Backenzähne) entfernt.
F
Feste Zahnspange
Eine feste Zahnspange ist ein kieferorthopädisches Gerät, das dauerhaft auf den Zähnen befestigt wird. Sie besteht aus Brackets (Metall oder Keramik), einem Drahtbogen und Gummibändern oder Ligaturen, die den Draht in den Brackets halten.
Forcierte Dehnapparatur
Die forcierte Dehnapparatur (auch Rapid Maxillary Expander, RME) ist ein festsitzendes kieferorthopädisches Gerät zur schnellen Verbreiterung des Oberkiefers. Sie ist eng verwandt mit der Gaumennahterweiterung (GNE) und nutzt dieselbe Technik.
Frühbehandlung
Die kieferorthopädische Frühbehandlung (Interzeptive Kieferorthopädie) bezeichnet Behandlungsmassnahmen im Milchgebiss oder frühen Wechselgebiss, typischerweise im Alter von 6–9 Jahren.
G
Gaumennahterweiterung (GNE)
Die Gaumennahterweiterung (GNE) ist ein kieferorthopädisches Verfahren zur Verbreiterung des Oberkiefers. Dabei wird die Gaumennaht (Sutura palatina mediana) – die Knochenfuge in der Mitte des Gaumens – langsam auseinandergedehnt.
Geburtsgebrechen (Kieferorthopädie)
In der Schweiz übernimmt die Invalidenversicherung (IV) die Kosten für kieferorthopädische Behandlungen, wenn ein anerkanntes Geburtsgebrechen gemäss der Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV) vorliegt. Die wichtigsten kieferorthopädisch relevanten Geburtsgebrechen und ihre GgV-Nummern sind:
Gummizüge (Elastics)
Gummizüge (Elastics) sind kleine Gummibänder, die bei einer festen Zahnspange zwischen Ober- und Unterkiefer gespannt werden. Sie üben gezielte Kräfte aus, um die Bisslage zu korrigieren.
I
Innenliegende Zahnspange
Die innenliegende Zahnspange ist ein Synonym für die Lingualtechnik. Dabei werden individuell gefertigte Brackets auf der Innenseite (lingualen Seite) der Zähne befestigt – komplett unsichtbar von aussen.
Invisalign
Invisalign ist ein markengeschütztes Aligner-System der Firma Align Technology. Es verwendet eine Serie transparenter, herausnehmbarer Kunststoffschienen (Aligner), um Zähne schrittweise zu korrigieren.
IOTN (Index of Orthodontic Treatment Need)
Der IOTN (Index of Orthodontic Treatment Need) ist ein international anerkanntes Klassifikationssystem zur Bewertung des kieferorthopädischen Behandlungsbedarfs. Er wurde in den 1980er Jahren in Grossbritannien entwickelt.
IV (Invalidenversicherung)
Die IV (Invalidenversicherung) ist eine der fünf Säulen der Schweizer Sozialversicherung. Im Bereich der Kieferorthopädie spielt sie eine zentrale Rolle, da sie die Behandlungskosten bei anerkannten Geburtsgebrechen vollständig übernimmt.
K
Karies
Karies (Zahnfäule) ist eine durch Bakterien verursachte Erkrankung, bei der die Zahnhartsubstanz (Zahnschmelz und Dentin) durch Säuren zerstört wird. Sie ist die häufigste Zahnerkrankung weltweit.
Kephalometrie
Die Kephalometrie ist eine Vermessungsmethode in der Kieferorthopädie, bei der anhand eines seitlichen Röntgenbildes des Schädels (Fernröntgenseitenbild, FRS) die Kiefer- und Gesichtsproportionen analysiert werden.
Keramik-Brackets
Keramik-Brackets sind zahnfarbene Befestigungselemente für feste Zahnspangen. Sie bestehen aus hochfester Dentalkeramik und sind deutlich unauffälliger als klassische Metallbrackets – die ideale Lösung für ästhetisch anspruchsvolle Patienten.
KFO-Diagnostik
Die KFO-Diagnostik (kieferorthopädische Diagnostik) umfasst alle Untersuchungen, die vor Beginn einer Zahnspangenbehandlung durchgeführt werden. Sie dient der exakten Diagnose der Zahnfehlstellung und der Erstellung des individuellen Behandlungsplans.
Kieferchirurgie (Dysgnathie-OP)
Die Kieferchirurgie (Dysgnathie-Chirurgie, Orthognathe Chirurgie) befasst sich mit der operativen Korrektur von schweren Kieferfehlstellungen, die allein durch eine Zahnspange nicht korrigiert werden können.
Kiefergelenk (TMJ)
Das Kiefergelenk (Temporomandibulargelenk, TMJ) verbindet den Unterkiefer mit dem Schädel und ermöglicht das Öffnen, Schliessen und seitliche Bewegen des Mundes. Es ist eines der komplexesten Gelenke des menschlichen Körpers.
Kieferorthopäde / Kieferorthopädin
Ein Kieferorthopäde (Fachzahnarzt für Kieferorthopädie) ist ein Zahnarzt, der nach dem Zahnmedizinstudium eine zusätzliche 3–4-jährige Weiterbildung in Kieferorthopädie absolviert hat.
Kieferorthopädie
Die Kieferorthopädie (KFO) ist ein Spezialgebiet der Zahnmedizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien befasst. Der Fachzahnarzt für Kieferorthopädie wird auch Kieferorthopäde genannt.
KIG (Kieferorthopädische Indikationsgruppen)
Die KIG (Kieferorthopädische Indikationsgruppen) sind ein Klassifikationssystem zur Einstufung von Zahnfehlstellungen nach Schweregrad. Sie helfen Kieferorthopäden, den Behandlungsbedarf objektiv zu bewerten.
KLV (Krankenpflege-Leistungsverordnung)
Die KLV (Krankenpflege-Leistungsverordnung) ist eine Verordnung des Schweizer Bundesrates, die im Detail festlegt, welche medizinischen Leistungen von der obligatorischen Grundversicherung (OKP) übernommen werden. Sie konkretisiert das Krankenversicherungsgesetz (KVG).
Kostenvoranschlag
Ein kieferorthopädischer Kostenvoranschlag ist eine detaillierte Aufstellung aller voraussichtlichen Behandlungskosten. Er wird nach der Diagnostik erstellt und dient als verbindliche Grundlage für die Behandlungsvereinbarung.
Kreuzbiss
Ein Kreuzbiss liegt vor, wenn ein oder mehrere Zähne des Oberkiefers innerhalb der Unterkieferzähne beissen – also umgekehrt zur normalen Verzahnung. Man unterscheidet zwischen einseitigem und beidseitigem Kreuzbiss.
KVG (Krankenversicherungsgesetz)
Das KVG (Bundesgesetz über die Krankenversicherung) bildet die rechtliche Grundlage für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) in der Schweiz. Es regelt, welche medizinischen Leistungen von der Grundversicherung gedeckt werden.
L
Laserschweißgerät
Ein Laserschweißgerät (Dental-Laser-Schweißgerät) ist ein hochpräzises Werkzeug, das in der kieferorthopädischen Labortechnik zum Verschweißen von Metallkomponenten eingesetzt wird – etwa Drähte, Bänder und Hilfsapparaturen.
Lingualbogen
Der Lingualbogen ist ein kieferorthopädischer Drahtbogen, der an der Innenseite (lingual) der Unterkieferzähne verläuft und an den hinteren Backenzähnen (Molaren) befestigt ist.
Lingualtechnik
Die Lingualtechnik ist eine kieferorthopädische Behandlungsmethode, bei der individuell gefertigte Brackets auf der Innenseite (lingual = zungenseitig) der Zähne befestigt werden. Sie ist die einzige Zahnspange, die zu 100% unsichtbar ist.
Lose Zahnspange
Eine lose Zahnspange (herausnehmbare Zahnspange) ist ein kieferorthopädisches Gerät, das vom Patienten selbst ein- und ausgesetzt werden kann. Sie wird hauptsächlich bei Kindern im Wechselgebiss (ca. 6–12 Jahre) eingesetzt.
M
Metallzahnspange
Die Metallzahnspange ist die klassische Form der festen Zahnspange mit Brackets aus Edelstahl. Sie ist seit Jahrzehnten die Standardmethode in der Kieferorthopädie und hat sich bei Millionen von Patienten weltweit bewährt.
Minischrauben (TADs)
Minischrauben (TADs – Temporary Anchorage Devices) sind kleine Titanschrauben, die temporär in den Kieferknochen eingesetzt werden. Sie dienen als fester Ankerpunkt für kieferorthopädische Kräfte.
Monoblock
Der Monoblock ist ein herausnehmbares funktionskieferorthopädisches Gerät (FKO-Gerät), das 1902 von Pierre Robin entwickelt wurde. Er gilt als Urform aller funktionskieferorthopädischen Apparaturen.
O
Offener Biss
Ein offener Biss liegt vor, wenn die Frontzähne oder Seitenzähne bei geschlossenem Mund nicht aufeinandertreffen und ein sichtbarer Spalt bleibt. Man unterscheidet zwischen frontal offenem Biss und lateral offenem Biss.
Okklusion
Okklusion bezeichnet in der Zahnmedizin den Kontakt zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers beim Zusammenbeissen. Eine korrekte Okklusion bedeutet, dass die Zähne optimal ineinandergreifen.
OKP (Obligatorische Krankenpflegeversicherung)
Die OKP (Obligatorische Krankenpflegeversicherung) ist die gesetzliche Grundversicherung in der Schweiz gemäss dem Krankenversicherungsgesetz (KVG). Jede in der Schweiz wohnhafte Person ist verpflichtet, eine OKP abzuschliessen.
R
Retainer
Ein Retainer ist ein kieferorthopädisches Gerät, das nach Abschluss der aktiven Zahnspangenbehandlung eingesetzt wird. Er stabilisiert die Zähne in ihrer neuen Position und verhindert, dass sie sich wieder verschieben (Rezidiv).
Rezidiv
Ein Rezidiv in der Kieferorthopädie bezeichnet die Rückverschiebung der Zähne in ihre ursprüngliche Position nach Abschluss der aktiven Behandlung. Es ist eines der grössten Risiken nach einer Zahnspangenbehandlung.
Röntgenbild (OPG)
Ein OPG (Orthopantomogramm) ist eine Panorama-Röntgenaufnahme, die alle Zähne, beide Kiefer, die Kiefergelenke und die angrenzenden Strukturen auf einem einzigen Bild darstellt.
S
Schulzahnklinik
Die Schulzahnklinik (Schulzahnpflege) ist eine Institution der Stadt Zürich, die regelmässige zahnärztliche Untersuchungen für Schulkinder durchführt. Sie erkennt Zahnfehlstellungen und überweist bei Bedarf an einen Kieferorthopäden.
Stripping (IPR)
Stripping (auch IPR – Interproximal Reduction oder Approximale Schmelzreduktion) ist ein Verfahren in der Kieferorthopädie, bei dem minimale Mengen Zahnschmelz zwischen den Zähnen entfernt werden, um Platz zu schaffen.
U
Unsichtbare Zahnspange
Als unsichtbare Zahnspange werden kieferorthopädische Behandlungsmethoden bezeichnet, die von aussen nicht oder kaum sichtbar sind. Die zwei Hauptoptionen sind die Lingualtechnik und Invisalign.
Unterbiss
Ein Unterbiss (Progenie, Klasse-III-Anomalie) liegt vor, wenn die unteren Frontzähne vor den oberen stehen oder der Unterkiefer insgesamt zu weit vorsteht. Dies verändert das Gesichtsprofil und beeinträchtigt die Kaufunktion.
Z
Zahnfarbene Zahnspange
Die zahnfarbene Zahnspange (auch weisse Zahnspange) verwendet Brackets aus zahnfarbener Keramik. Sie ist eine ästhetische Alternative zur klassischen Metallzahnspange und deutlich unauffälliger.
Zahnfehlstellung
Eine Zahnfehlstellung (Malokklusion) bezeichnet eine Abweichung der Zahnstellung oder des Bisses von der Norm. Sie kann einzelne Zähne betreffen (z.B. gedrehte oder gekippte Zähne) oder den gesamten Kiefer (z.B. Überbiss, Unterbiss).
Zahnpflege mit Zahnspange
Die Zahnpflege mit Zahnspange erfordert besondere Aufmerksamkeit und die richtigen Hilfsmittel. Bei festen Zahnspangen sammeln sich Speisereste und Plaque leichter um Brackets und Drähte.
Zahnschiene
Zahnschiene ist ein Oberbegriff für verschiedene Kunststoffschienen, die über die Zähne gestülpt werden. In der Kieferorthopädie bezeichnet man damit meist Aligner-Schienen (z.B. Invisalign), die zur Zahnkorrektur eingesetzt werden.
Zahnschmelz
Zahnschmelz (Enamelum) ist die äusserste Schicht des Zahns und die härteste Substanz im menschlichen Körper. Er besteht zu 97% aus Hydroxylapatit (einem Kalziumphosphat-Mineral) und schützt das darunterliegende Dentin und den Zahnnerv.
Zahnspange für Erwachsene
Eine Zahnspange für Erwachsene ist keine Seltenheit – immer mehr Erwachsene entscheiden sich für eine Zahnkorrektur. Dank moderner Methoden wie Lingualtechnik und Invisalign kann die Behandlung heute völlig diskret erfolgen.
Zahnspange für Kinder
Eine Zahnspange für Kinder wird eingesetzt, um Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien im Wachstumsalter zu korrigieren. Der ideale Zeitpunkt für den Behandlungsbeginn liegt meist zwischen 9 und 14 Jahren.
Zahnzusatzversicherung
Eine Zahnzusatzversicherung ist eine private Versicherung, die Leistungen abdeckt, welche die obligatorische Grundversicherung (KVG) in der Schweiz nicht übernimmt – darunter kieferorthopädische Behandlungen.