Gummis an der Zahnspange (Elastics)
Die kleinen Gummizüge gehören zu den wichtigsten Helfern der festen Zahnspange: Sie korrigieren den Biss zwischen Ober- und Unterkiefer. Was Elastics bewirken, wie Sie sie richtig einhängen und was im Alltag zählt.
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Aktualisiert am · geprüft von Dr. Philipp Meyer
Kurz & knapp
Gummizüge (Elastics, auch «Gummis» genannt) verbinden Ober- und Unterkiefer und korrigieren, wie die Zahnreihen zueinander stehen. Der Drahtbogen richtet die Zähne auf – die Gummis richten den Biss aus. Damit das klappt, müssen sie rund um die Uhr getragen und mehrmals täglich gewechselt werden.
- Zweck: Bisskorrektur – z. B. Klasse II, Klasse III, Mittellinie, offener Biss.
- Tragezeit: ca. 22 Stunden täglich, Wechsel mindestens 2× täglich.
- Wichtigster Erfolgsfaktor: konsequentes Tragen – unregelmässiges Tragen verlängert die Behandlung.
Was sind Gummis an der Zahnspange?
Wenn Patienten von «Gummis an der Zahnspange» sprechen, meinen sie meist eines von zwei Dingen – beide haben ganz unterschiedliche Aufgaben:
- Ligaturen (Gummiringe): kleine, oft bunte Ringe, die den Drahtbogen in jedem Bracket halten. Sie werden bei jedem Kontrolltermin erneuert und sind bei vielen Patienten die Gelegenheit, die Zahnspange farblich zu gestalten.
- Gummizüge (Elastics, intermaxilläre Elastics): grössere Gummibänder, die Sie selbst zwischen Ober- und Unterkiefer einhängen. Sie sind das eigentliche Arbeitstier der Bisskorrektur – und um sie geht es auf dieser Seite vor allem.
Wozu braucht man Elastics? Was bewirken sie?
Der Drahtbogen der festen Zahnspange bewegt Zähne nur innerhalb eines Kiefers. Viele Fehlstellungen betreffen aber das Verhältnis der Kiefer zueinander – und genau dafür sind Gummizüge da. Sie üben über viele Stunden eine leichte, kontinuierliche Kraft in eine genau definierte Richtung aus.
Typische Aufgaben der Elastics:
- Distalbiss (Klasse II): Der Unterkiefer bzw. die untere Zahnreihe steht zu weit hinten – der Klassiker bei Jugendlichen.
- Mesialbiss (Klasse III): Die untere Zahnreihe steht zu weit vorne.
- Mittellinienkorrektur: Die Mitte der oberen und unteren Schneidezähne steht nicht übereinander.
- Offener Biss: Vorder- oder Seitenzähne haben keinen Kontakt; Gummizüge «setzen» die Zähne aufeinander.
- Finishing: Am Ende der Behandlung verzahnen Elastics Ober- und Unterkiefer präzise ineinander.
Die wichtigsten Einhängemuster
Welches Muster Sie tragen, hängt von Ihrer Bisslage ab. Die wichtigsten Konfigurationen:
- Klasse-II-Elastics: vom oberen Eckzahn schräg nach hinten-unten zu einem unteren Seitenzahn (siehe Bild oben).
- Klasse-III-Elastics: genau umgekehrt – vom unteren Eckzahn nach hinten-oben zu einem oberen Seitenzahn.
- Dreieck- oder Box-Elastics: zwischen mehreren Zähnen gespannt, um den Biss lokal zu «setzen» (z. B. bei offenem Biss).
- Kreuzelastics (Cross-Elastics): über den Biss hinweg von der Innen- zur Aussenseite – bei einem Kreuzbiss der Seitenzähne.
Manchmal kommen statt dauerhafter Gummizüge auch andere Lösungen zum Einsatz: Bei grösseren Klasse-II-Korrekturen etwa das Herbstscharnier, das rund um die Uhr wirkt – oder in komplexen Fällen Minipins (Mini-Implantate) als fester Verankerungspunkt für Elastics.
Wann bekommt man Gummis für die Zahnspange?
Meist nicht am ersten Tag. Zuerst werden die Zähne mit dem Drahtbogen ausgerichtet und nivelliert. Sobald die Bögen stabil genug sind, beginnt die Bisskorrektur – dann kommen die Elastics dazu, typischerweise nach einigen Monaten. Manche Patienten brauchen sie nur für die Feinstellung am Ende, andere über viele Monate. Wie lange eine Zahnspangenbehandlung insgesamt dauert, lesen Sie hier: Wie lange dauert eine Zahnspange?.
Gummis einhängen: Anleitung Schritt für Schritt
In der Praxis zeigen wir Ihnen das Einhängen an Ihrem eigenen Muster und lassen Sie es üben, bis es sitzt. Zu Hause hilft diese Reihenfolge:
- Hände waschen und Ihr Einhängemuster prüfen (Zettel oder Foto im Handy).
- Vor dem Spiegel die kleinen Haken an den Brackets finden.
- Das Gummi zuerst am unteren Haken einhängen.
- Nach oben spannen und am oberen Haken befestigen.
- Sitz kontrollieren: Das Gummi soll auf beiden Haken sicher liegen und nicht verdreht sein.
- Nach jeder Mahlzeit und mindestens zweimal täglich durch frische Gummis ersetzen.
Tipp aus der Praxis: Nach ein paar Tagen gelingt das Einhängen fast allen Patienten ohne Spiegel – rein nach Gefühl. Ersatzgummis gehören immer in Hosentasche, Schultasche und Necessaire.
Wie oft wechseln? Wie lange tragen?
Elastics verlieren nach wenigen Stunden im Mund einen deutlichen Teil ihrer Kraft – Speichel und Temperatur lassen das Material ermüden. Deshalb gilt: mindestens morgens und abends wechseln, idealerweise nach jeder Mahlzeit frisch einhängen. Getragen wird rund um die Uhr, etwa 22 Stunden täglich; herausgenommen wird nur zum Essen und Zähneputzen.
Die Gesamtdauer hängt von der Bisslage ab: von wenigen Wochen für die Feinstellung bis zu mehreren Monaten bei ausgeprägten Korrekturen. Konsequentes Tragen ist der grösste Hebel, den Sie selbst in der Hand haben – unregelmässiges Tragen ist der häufigste Grund, warum sich eine Behandlung verlängert.
Alltag mit Gummis: Essen, Sprechen, Sport
- Essen: Zum Essen herausnehmen, danach frisch einhängen. Was Sie mit Zahnspange generell meiden sollten: Ernährung mit Zahnspange.
- Sprechen: In den ersten Tagen kann das Sprechen etwas gewöhnungsbedürftig sein – das vergeht rasch.
- Sport: Gummizüge stören beim Sport nicht. Bei Kontaktsportarten empfehlen wir ohnehin einen Mundschutz.
- Hygiene: Beim Putzen sind die Gummis draussen – Brackets und Haken gründlich reinigen. Anleitung: Zähne putzen mit Zahnspange.
Welche Gummifarbe passt zu mir? Alles zu Ligaturen-Farben
Die farbigen Ligaturen um die Brackets sind für viele – besonders Jugendliche – das Spass-Element der festen Zahnspange. Bei jedem Kontrolltermin können Sie die Farbe neu wählen: dezent transparent oder silber, kräftig bunt, passend zur Saison oder zu den Vereinsfarben.
- Transparent/weiss: dezent, verfärbt sich aber leichter durch Kaffee, Curry oder Rotwein.
- Silber/grau: unauffällig und praktisch unempfindlich gegen Verfärbungen.
- Dunkle Farben (dunkelblau, violett): lassen Zähne optisch weisser wirken.
- Gelb/weiss: kann einen Gelbstich der Zähne betonen – lieber testweise nur an wenigen Zähnen wählen.
Gummis bei Invisalign und Alignern
Auch Schienen können Bisskorrekturen nicht allein: Bei vielen Aligner-Behandlungen werden Elastics an zahnfarbenen Attachments oder an Aussparungen in der Schiene eingehängt. Das Prinzip – Tragezeit, Wechselrhythmus, Muster – entspricht dem der festen Zahnspange. Mehr zur Behandlung mit durchsichtigen Schienen: Invisalign Zürich.
Separiergummis: die Gummis vor der Zahnspange
Manche Patienten bekommen schon vor dem Einsetzen der festen Zahnspange Gummis: Separiergummis (Separiermuffen) liegen etwa eine Woche zwischen den Backenzähnen und schaffen Platz für die späteren Bänder. Sie fühlen sich an wie ein festsitzendes Stück Zahnseide und können die ersten Tage ein Druckgefühl auslösen. Nicht mit der Zahnseide daran fummeln und nichts Klebriges essen – fällt ein Separator vorzeitig heraus, kurz in der Praxis melden.
Probleme & kleine Notfälle
- Gummi gerissen: kein Notfall – einfach ein neues einhängen. Reisst ein Gummi immer wieder an derselben Stelle, sollten wir den Haken prüfen.
- Gummi verschluckt: unbedenklich – er wird auf natürlichem Weg ausgeschieden.
- Gummis vergessen: nicht «doppelt aufholen», sondern normal weitertragen und ab jetzt konsequent bleiben.
- Druckstelle am Zahnfleisch: Hängt ein Gummi schräg oder schneidet ins Zahnfleisch, korrigieren Sie den Sitz – hilft das nicht, kontaktieren Sie uns.
- Latexallergie: Sagen Sie uns unbedingt vorab Bescheid – es gibt latexfreie Elastics. Mehr zu Pannen aller Art: Bracket abgefallen – was tun?.
«Die schönste Apparatur nützt wenig, wenn die Gummis in der Hosentasche bleiben. In meiner Erfahrung ist das konsequente Tragen der Elastics der eine Faktor, der über Monate Behandlungszeit entscheidet – und genau den können unsere Patienten selbst steuern.»
Studien & Quellen
Intermaxilläre Elastics sind seit Jahrzehnten Standard der Bisskorrektur und fester Bestandteil der Fachliteratur (u. a. Proffit, «Contemporary Orthodontics»). Die Forschung beschäftigt sich vor allem mit zwei Fragen: dem Kraftverlust elastischer Materialien im Mund – Grund für den empfohlenen häufigen Wechsel – und der Mitarbeit (Compliance), die den Behandlungserfolg massgeblich bestimmt.
- • Proffit WR, Fields HW, Larson BE, Sarver DM: Contemporary Orthodontics, 6. Auflage, Elsevier 2018.
- • PubMed: Intermaxillary elastics in orthodontics (Literaturübersicht)
- • PubMed: Force decay of orthodontic elastics (Literaturübersicht)
Wissen & Ratgeber
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